DAILY TREATS
/

BY JESSI

 

Meine Ernährungsphilosophie:

Zunächst vornweg: Ich zähle keine Kalorien, Makros, Mikros oder was es sonst noch so zu tracken gibt. Stattdessen bemühe ich mich um eine möglichst naturbelassene und abwechslungsreiche Ernährung. Dabei koche ich in 99% der Fälle pflanzlich und achte auf eine bunte Mischung aus Obst, Gemüse, Getreide- und Vollkornprodukte, Hülsenfrüchten, Samen und gesunden Fetten wie Avocados, Nüsse, Oliven- oder Kokosöl. Soll heißen: industrieller Zucker und alles, was sich nicht ohne Weiteres aussprechen lässt oder aus kryptischen Nummerierungen besteht, kommt nicht auf meinen Teller. Das wäre dann aber auch die einzige vermeintliche Einschränkung, schließlich soll beim Essen immer noch Genuss und Unbeschwertheit im Vordergrund stehen.

Ernährung ist eine der intimsten und persönlichsten Entscheidungen, die ein Mensch treffen kann und sollte daher immer auf die eigenen Bedürfnisse und Wünsche angepasst werden. Es gibt meiner Meinung nach keine Ernährungsform, die für alle optimal und erstrebenswert ist. Daher möchte ich hier nicht für eine bestimmte Art der Ernährung werben und schon gar niemanden davon überzeugen, meine Ernährungsform 1:1 zu übernehmen. Es soll einzig darum gehen, euch die Vielzahl an Möglichkeiten zu zeigen, die eine pflanzliche und gesundheitsorientierte Ernährung zu bieten hat.

Daher zeige ich euch bei Daily Treats tägliche Kreationen aus meiner Küche, die nicht nur unheimlich lecker, sondern zeitgleich auch gesund und natürlich sind – getreu dem Motto: Genießen ohne schlechtes Gewissen oder Reue! 

Meine eigene Entwicklung:

Um ehrlich zu sein, habe ich die ersten zwanzig Jahre meines Lebens alles gegessen, worauf ich Lust und Laune hatte. Ich bin in einem omnivoren Elternhaus aufgewachsen und habe tagtäglich Fleisch oder andere tierische Produkte konsumiert, genauso wie Süßigkeiten aller Art. Das hat sich auch nicht geändert, als ich mit 18 Jahren studienbedingt in mein erstes Wohnheimzimmer gezogen bin und mich selbst versorgen musste. Da ich nur einen 50cm breiten Küchenblock mit zwei Herdplatten zur Verfügung hatte, hielt sich meine Begeisterung fürs Kochen damals noch sehr in Grenzen. Maggi und Knorr Fix müssen sich damals eine goldene Nase an mir verdient haben…

2015 bin ich dann für ein Praktikum 6 Monate nach Neuseeland gezogen und hatte dort erstmals ein Appartement mit einer großen und gut ausgestatteten Küche für mich alleine. So startete ich meine ersten Kochversuche und zauberte mir alles, was ich in meiner kleinen Wohnheimküche nicht hatte kochen oder backen können. Da ich eine Schwäche für süße Leckereien hatte, waren das vor allem verschiedenste Kuchen, Kekse, Quarkspeisen, Pancakes oder was ihr euch sonst noch so denken könnt. Zu der Zeit entdeckte ich zudem meine erste große Liebe: Erdnussbutter! Diese Liebe ging sogar so weit, dass ich es mir an meinen freien Tagen mit einem 500g Erdnussbutterglas vor dem Fernseher gemütlich machte und erst aufhörte zu löffeln, als auch wirklich das letzte Bisschen Erdnussbutter aus dem Glas gekratzt war. Wen wundert’s – nach zwei Monaten hatte ich knapp 8kg zugenommen und meine Kleidung passte langsam nicht mehr. Ich fühlte mich unwohl und änderte meine Ernährung von einem Tag auf den anderen ins andere Extremum: keine, wirklich GAR KEINE Kohlenhydrate oder Fette mehr, nur noch Obst und Gemüse, drei Sporteinheiten am Tag und maximal 1500 Kalorien. Ich wollte einfach nur so schnell wie möglich wieder auf mein altes Gewicht zurück, um mich wieder wohlzufühlen in meiner Haut. Ihr könnt euch vielleicht denken, wie diese extreme Umstellung nun wieder endete. Ich habe es genau 30 Tage ausgehalten, eh mich eine Fressattacke nach der anderen einholte und ich schlussendlich sogar noch mehr zugenommen hatte, als vor meinem Diätversuch. Der Jojo-Effekt lässt grüßen.

Nach meiner Rückkehr nach Deutschland und meinem Umzug aus dem kleinen Wohnheimzimmer in eine größere WG versuchte ich mich dann an einer Kombination aus Clean Eating und Sport, um das mitgebrachte Gewicht wieder zu verlieren. Aber auch die Diät ging gehörig schief und endete erneut in Fressattacken. Erst durch die Intervention meiner Freunde und meiner Familie lernte ich, dass Diäten und strenge Verbote mich nicht glücklich machen und mir schon gar nicht mein Selbstwertgefühl zurückbringen würden. Ich hatte zu dem Zeitpunkt sämtliche Freude am Essen verloren, konnte gemeinsame Kochabende mit Freundinnen nicht mehr genießen, weil ich immer nur daran dachte, was das Essen mit meinem Körper anstellen könnte. Es hat mich viel Überwindung und einige Zeit gekostet, um wieder Freude am Kochen und Essen zu haben. Um wieder auf meinen Körper zu hören und ihm das zu geben, was er wirklich braucht. Um intuitiv zu essen, ohne mir Verbote aufzuzwingen oder Kalorien zu zählen.

In dieser Zeit entwickelte ich Schritt für Schritt meine heutige Ernährungsweise und probierte mich aus. Mir war klar, dass ich keiner weiteren Diät auf den Leim gehen wollte. Allerdings wollte ich auch nicht wieder zu meiner „Pre-Neuseeland-Ernährung“ zurückkehren,  da diese hauptsächlich aus Fertigprodukten und Süßigkeiten bestanden hatte. Ich verbrachte viel Zeit damit, Bücher über eine möglichst gesunde, aber dennoch abwechslungsreiche Ernährungsform zu lesen. Die Bücher von Hans-Ulrich Grimm hatten es mir sofort angetan und so erfuhr ich vieles über die verhängnisvollen Eigenschaften von Farb- und Konservierungsstoffen, Aromen, Geschmacksverstärkern und was die industrialisierte Küche sonst noch so verwendet, um ihr totgekochtes Essen doch noch schmackhaft werden zu lassen. Kurz darauf traf ich die Entscheidung, diese Bestandteile so weit wie irgendwie möglich von meinem Speiseplan zu streichen. Da ich nun wusste, warum es für mich und meinen Körper wichtig war, auf Convenience Food zu verzichten, fiel mir die Umstellung auch direkt viel einfacher.

Ähnlich erging es mir mit meinem Wandel hin zu einer pflanzlichen Ernährung. Hätte man mich vor meinem Auslandsaufenthalt nach meiner Meinung zu Veganern und Fleischersatzprodukten gefragt, hätte ich einen stundenlangen Vortrag über die Sinnlosigkeit und Gefahr dieser Ernährungsform gehalten. Das einzige Problem: ich hatte natürlich keine Ahnung, worüber ich da eigentlich sprach! Stattdessen habe ich die gängigen Anti-Veganer-Klischees bedient – einseitige Ernährung, diverse Mangelerscheinungen, Unterernährung und generell, wieso Fleischersatzprodukte, wenn man doch auch das Original essen kann? Ich war schlichtweg nicht bereit, mich zu informieren und vom Gegenteil überzeugen zu lassen. Das änderte sich zum einen, weil ich nach dem Auslandsaufenthalt in eine WG mit einer Vegetarierin zog und unsere gemeinsame Freundin zudem rein pflanzlich aß. Unsere regelmäßigen Kochabende waren also zwangsläufig rein pflanzenbasiert und dennoch sehr abwechslungsreich und wirklich lecker! Zum anderen las ich neben den Büchern von Hans-Ulrich Grimm auch andere Bücher über die Möglichkeiten und Vorteile einer pflanzenbetonten Ernährung und schaute mir einige Dokus und Filme zu den ökologischen Schäden des Fleischkonsums an. Spätestens nach Cowspiracy stand für mich dann endgültig fest: Ich verabschiede mich vom Fleisch!

Und so wurde ich von einem auf den anderen Tag Vegetarierin und ersetzte auch langsam immer mehr tierische Produkte durch pflanzliche Alternativen. Für mich persönlich habe ich so die optimale Ernährung gefunden und ich habe nicht das Gefühl, irgendwas zu vermissen oder mich selbst einzuschränken. Ich sehe die pflanzenbasierte Ernährung nicht als Verbot. Für mich ist es viel mehr eine Art ethische Überzeugung. Vielleicht teilt ihr sie, vielleicht auch nicht.

Aber so oder so bin ich mir sicher, dass für jeden von euch ein paar tolle Rezepte dabei sind! Vielen Dank fürs Vorbeischauen und viel Spaß beim Stöbern!